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    Palliative Care - Bis zuletzt ich selbst

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Mentale Gesundheit ist keine Privatsache

Blöde Blicke auf der Strasse, ein falscher Name, das ständige Abwägen, ob man sich outen soll oder lieber nicht. Einzeln wirken solche Momente klein. Zusammen hinterlassen sie Spuren. Studien zeigen seit Jahren, dass LGBTQIA+-Personen deutlich häufiger psychisch belastet sind als die übrige Bevölkerung. Die Frage ist nur: Woran liegt das?

Radio X hat die kweercare soirée #3 vom 22. September 2026 in der Kaserne Basel begleitet. Das Thema des Abends: «Mentale Gesundheit ist Care-Arbeit».

Nicht das Queersein ist das Problem

Maximilian Grieger, Präsident von kweercare, bringt es im Beitrag auf den Punkt: Belastung entsteht überwiegend von aussen. «Nicht das Queersein macht die Probleme, sondern die Umwelt.» Wenn das stimmt, kann die Verantwortung für psychische Gesundheit nicht allein bei der einzelnen Person liegen.

Dr. med. David Garcia Nuñez, Psychiater und Leiter des Universitären Zentrums für Geschlechtervarianz am Unispital Basel, erklärte dazu das Modell des Minderheitenstresses. Abschätzige Blicke oder Deadnaming seien wie kleine Pfeile: Ein einzelner tut kaum weh. Hunderte an einem Tag hinterlassen eine grosse Wunde.

Self-Care reicht nicht

Auf sich selbst zu achten, bleibt wichtig. Aber diskriminierende Strukturen lösen sich mit noch so viel Self-Care nicht auf. Umso schwerer wiegt es, wenn ausgerechnet die Orte, die auffangen sollen, zur zusätzlichen Belastung werden.

Alessandra Widmer, Co-Geschäftsleiterin der Lesbenorganisation Schweiz (LOS), erzählte von einer jungen transfemininen Person, die während eines Klinikaufenthalts laufend Aufklärungsarbeit leisten musste, bis hin zum Einsatz dafür, dass trans Personen nicht mit ihrem Deadname angesprochen werden. So viel Energie floss ins blosse Existieren in diesem Raum, dass kaum etwas fürs Heilen blieb. Ein Satz der Person ist hängengeblieben: «Ich wollte einfach nur über meine Probleme reden, aber dann sprachen wir eine Stunde über Politik.»

Community als Schutzfaktor, nicht als Ersatz

Freundschaften, Wahlfamilien und queere Räume können Orte sein, an denen man sich nicht jedes Mal erklären muss. Historiker und Dragkünstler Tobias Urech, früher im Vorstand der Milchjugend, sagt es persönlich: Ohne die Milchjugend würde er heute wohl nicht auf diesem Podium sitzen.

Gleichzeitig war das Podium sich einig: Auch Communities sind nicht frei von Druck. Körperideale, binäre Vorstellungen oder Bilder davon, wie eine trans* Person «auszusehen hat», entstehen auch innerhalb. Community ersetzt kein professionelles Angebot – aber sie kann Halt geben.

Care auf mehreren Ebenen

Was bleibt, ist ein Care-Verständnis, das über das Individuum hinausgeht: sich selbst stärken, ja. Aber auch Beziehungen und Räume schaffen, in denen Menschen sich sicher fühlen. Und Strukturen hinterfragen, die Belastung überhaupt erst verursachen – ausserhalb wie innerhalb der Community.

Genau dafür gibt es die kweercare soirées. Der Gesprächsbedarf ist gross, das hat auch dieser Abend gezeigt.

Nächste soirée
kweercare soirée #4 – «Bis zuletzt ich selbst» zu Palliative Care
Samstag, 31. Oktober 2026, [Uhrzeit], Literaturhaus Basel
Im Rahmen der Palliativ-Woche beider Basel

Alle soirées werden aufgezeichnet und danach als Podcast veröffentlicht.

→ Zum Beitrag von Radio X: https://radiox.ch/news-archiv/kweercare-mentale-gesundheit-care-arbeit.html

kweercare Soirée kweercare soirée #4 _ Palliative Care - Bis zuletzt ich selbst

Literaturhaus Basel
Barfüssergasse 3, Basel

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